Aus: Flensborg Avis

Die Geschichte eines Feuerschiffs

07.02.2013 | 12:06 |

Jens Nygaard

Das 110 Jahre alte deutsche Feuerschiff „Sunthorice“ liegt zurzeit im Flensburger Hafen vor Anker und möchte auch in Zukunft auf der Ostsee segeln. Sollte es aber die dafür notwendige deutsche Sicherheitsgenehmigung nicht erhalten, wird es Kurs auf die Kapverdischen Inseln nehmen

Marc Maurer liegt zurzeit mit seinem Schiff in Flensburg vor Anker und hat jeden Abend ab 20 Uhr „offenes Schiff“. Foto: Lars Salomonsen

Flensburg – Flensburg ist am Hafen seit geraumer Zeit um eine Attraktion reicher. Dort ist das alte Feuerschiff „Sunthorice“ während des Winters vor Anker gegangen.

„Früher haben wir im Winter nichts gemacht, sondern sind nur im Sommer gesegelt. Nun aber finden wir, dass es an der Zeit für einige Winteraktivität ist“, sagt einer der beiden Schiffseigener, Marc Maurer.

Er kommt aus der Schweiz, doch lebt seit 1997 in Flensburg.

Das alte Schiff hat nun jeden Abend ab 20 Uhr geöffnet: Man kann an Bord gehen und dort etwas trinken. Zudem ist das Leuchtschiff auch so etwas wie eine Kulturschmiede am Hafen geworden:

„Wir haben hin und wieder Live-Musik. Sollte es lokale Bands geben, die bei uns spielen wollen, sind sie willkommen. Und sollte es Künstler vor Ort geben, die gern ihre Werke zeigen möchten, dann lässt sich das hier auch machen“, sagt Marc Maurer.

Er verweist darauf, dass das Schiff nicht „so richtig kommerziell“ sein soll, aber ein wenig Geld zur Begleichung der Ausgaben sollte schon hereinkommen.

Das Schiff verfügt über eine vierköpfige Besatzung an Bord, ergänzt durch zwei Helfer, und alle sind zurzeit sehr gespannt darauf, was die Zukunft bringen wird. Am liebsten würden sie alle weiter auf der Ostsee kreuzen und beispielsweise zu Hafenfesten segeln. Damit lässt sich durchaus Geld verdienen.

„Doch dafür brauchen wir eine deutsche Sicherheitsgenehmigung, und wir haben in den vergangenen Jahren feststellen müssen, dass die Behörden in Bezug auf alte Schiffe sehr streng verfahren“, sagt Marc Maurer. Er verweist darauf, dass vielen alten Schiffen im Vorjahr eine Erneuerung ihrer Sicherheitsgenehmigung verwehrt geblieben ist. Bislang hat „Sunthorice“ die gewünschte Genehmigung fünfmal erhalten. Während diese früher eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren hatte, so sind es heute nur noch zwei Jahre.

„In einem Monat wird sich zeigen, ob wir die Genehmigung bekommen oder nicht“, sagt Marc Maurer.

Seiner Meinung nach ist es so, dass die Behörden, die für die Genehmigungen alter Schiffe zuständig sind, zusehends „eher bremsen als unterstützen“.

Marc Maurer macht es sich gegenwärtig zusammen mit der übrigen Mannschaft gemütlich auf dem alten Schiff, das 1902 von dem deutschen Kaiser Wilhelm II. als Feuerschiff bei der Meyer-Werft in Papenburg in Auftrag gegeben worden war.

Noch bis 1979 war es auf der Nordsee in aktivem Dienst. Danach ist das Schiff an einen Verein verkauft worden, der allerdings kurze Zeit darauf Konkurs anmelden musste. Der neue Eigener stammte von Sylt, doch er ließ das Schiff in Hamburg im Dock liegen – und um die Jahrtausendwende war es nahezu Schrott.

„Elke Köster und ich kauften das Schiff im Jahr 2000 und begannen mit der Restaurierung, womit wir eigentlich immer noch nicht fertig sind“, erzählt Marc Maurer.

2004 begann das Paar – mit wechselnden Crews –, über die Ostsee zu segeln. Das Schiff hatte inzwischen einen neuen Namen bekommen, der sich aus den Namen der Kinder des Paares zusammensetzt, die Susanne, Thore und Maurice heißen.

Das Leuchtschiff ist im Laufe der Jahre zahlreiche Häfen angelaufen, oftmals in Verbindung mit einem Hafenfest. Außerdem ergeben sich durch Segeltörns mit Touristen und durch den Ausschank geschäftliche Möglichkeiten. Ist es doch keineswegs eine billige Angelegenheit, ein derart altes Schiff zu renovieren. Auch darum fährt es grundsätzlich nur unter Segel: um Kraftstoff zu sparen.

„Wir fühlen uns wohl in Flensburg, wo wir auch eine gute Zusammenarbeit u. a. mit den Behörden pflegen“, sagt Marc Maurer.

 

Plan B für Afrika

 

Sollte indes die gewünschte Sicherheitsgenehmigung ausbleiben, gibt es bereits einen Plan B.

„Dann segeln wir hinunter zu den Kapverdischen Inseln, die vor der senegalesischen Küste in Afrika liegen“, so der Kapitän aus der Schweiz. Dort ist gerade eine Tourismusindustrie für sonnenhungrige Europäer am Entstehen. Der Plan besteht u. a. aus Schiffstouren mit Tauchern:

„Ich kenne dort unten einen Tiefseearchäologen, und wir könnten gemeinsam zu den vielen alten Schiffswracks abtauchen, die in der Nähe der Inseln liegen“, sagt Marc Maurer.

Die Kapverdischen Inseln waren jahrhundertelang ein wichtiges Ziel für Schiffe auf großer Fahrt – und einige von ihnen sind vor den Inseln auch untergegangen. Die Besatzung der „Sunthorice“ ist sich jedoch darüber im Klaren, dass eine Schatzjagd wohl eher nicht infrage kommen wird: Die Schätze sind längst aus den Schiffen geborgen worden.

„Nichtsdestotrotz könnte es interessant sein“, sagt Marc Maurer.

Wenn er in der nächsten Zeit seine Post öffnet und ein Brief der Sicherheitsbehörden in Hamburg dabei ist, hofft er dennoch, dass es eine Sicherheitsgenehmigung sein wird.

Sollte dies nicht der Fall sein, ist es wohl das Schicksal, dass das alte Schiff  Kurs auf neue Abenteuer nehmen lässt. Und Flensburg um eine Attraktion ärmer macht.


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