Aus: Flensborg Avis

Flensburger Pastor untersucht Kirchengründung in Thailand

14.02.2013 | 11:19 |

Trine Flamming

In Thailand leben viele Dänen – brauchen diese eine eigene Kirche? Die Dänische Seemanns- und Auslandskirche (DSUK) prüft Bedarf

Preben Kortnum Mogensen, dänischer Pastor aus Flensburg. Foto: Lars Salomonsen

Flensburg – Der dänische Pastor der Ansgarkirche in Flensburg, Preben Mogensen, reist für einen Monat nach Thailand – nicht um dem südschleswigschen Winterwetter zu entfliehen und Urlaub an fernen Stränden zu machen, sondern um das Terrain mit Blick auf die Einrichtung einer dänischen Kirche in Thailand zu sondieren.

In Thailand gibt es viele Dänen. Einige von ihnen leben dort von Berufs wegen; andere haben ihre Zelte in Dänemark abgebrochen und sind mit ihrer dänischen Rente unter wärmere Himmelsstriche gezogen. Die meisten der 2.000 bis 3.000 Dänen, die in Thailand leben, kommen gut zurecht, doch nach Angaben des dänischen Außenministeriums sind einige Dänen auch in soziale Not geraten. Aus diesem Grund hat sich das Ministerium an DSUK gewandt – mit dem Anliegen, dass sich die Organisation dieser Sache annimmt.

 

Eine gute Voraussetzung für einen Einsatz

 

Mit 2.000 bis 3.000 Dänen gibt es für die DSUK (Dansk Kirke i Udlandet og Dansk Sømandskirke i fremmede Havne) durchaus eine gute Voraussetzung dafür, sich zu engagieren – beispielsweise indem die Organisation dort eine Kirche gründet, die erfahrungsgemäß ein natürlicher Treffpunkt für Dänen ist, die sich im Ausland aufhalten. Vielleicht stellt sich heraus, dass auch ein Versammlungsraum ausreichen würde oder gar kein Bedarf besteht. Genau das soll Preben Mogensen im Laufe des nächsten Monats herausfinden.

„Es gibt zwei Arten von dort lebenden Dänen: Es gibt jene, denen es gut geht – und jene, denen es schlecht geht. Nach Angaben des dänischen Konsuls in Thailand kommen die meisten Dänen gut zurecht, doch meine besondere Zielgruppe sind jene, bei denen dies nicht so ist“, sagt er.

 

Seinem Schatten kann man nicht entrinnen

 

Einige Dänen kommen nicht zurecht, wenn sie auswandern: Sie werden mit einer andersartigen Kultur konfrontiert, einer anderen Religion und einer anderen Geschichte – und das, was eigentlich das Paradies auf Erden hätte sein sollen, endet mit einem Alltag, der sich als zu kompliziert zum Leben erweist. Einige verlieben sich, andere gründen eine Familie – und dann gibt es ein plötzliches Erwachen im ehelichen Alltag, in dem die Erwartungen und Haltungen des Ehepartners und seiner Familie zur Ehe möglicherweise anders sind, als man sich dies beim Auswandern aus dem hohen Norden vorgestellt hat:

„Ich weiß es noch nicht, aber unmittelbar kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Urlaubsgefühl, das man verspürte, als man nach Thailand zog, anhält – und dann geht es schief“, sagt Preben Mogensen, der zugleich eine klare Vermutung hat, wessen Aufenthalt in Thailand sich als Erfolg entpuppt und wessen nicht:

„Ist man in Dänemark ressourcenstark, sowohl in finanzieller als auch in sozialer Hinsicht, wird es gut gehen. Wandert man indes nach Thailand aus, um seinen Problemen zu entfliehen, wird der Aufenthalt in Thailand nach der Devise verlaufen 'Schatten lassen sich nicht abschütteln`“, sagt er.

 

Wichtige Kontakte

 

Doch von alldem können sich DSUK und er nur vor Ort ein klares Bild machen. Preben Mogensen wird in einer Interviewbefragung versuchen, so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen. Um jene Dänen zu finden, um die es geht, braucht er Kontakte vor Ort. Einige hat er bereits. Der wichtigste davon ist der Kontakt zu den skandinavischen Schwesterkirchen: Norwegen und Schweden sind in Thailand bereits angesiedelt. Ein weiterer, überaus wichtiger Kontakt ist der zu einem weiblichen Guide einer christlichen Kirche vor Ort.

„Es sind vor allem Männer, die sich in Thailand niederlassen, und während ich mich mit ihnen unterhalte, kann sie mit der Ehefrau sprechen. Sie wird quasi mein GPS sein – und sie wird mir sagen können, wie ich mich zu verhalten habe“, sagt Preben Mogensen.

 

Eine optimale Paketlösung

 

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet er sich dieser Aufgabe annehmen wird: Preben Mogensen kann mit Blick auf den vorgegebenen finanziellen Rahmen als die perfekte Paketlösung betrachtet werden. DSUK hat sich bei „Folkekirkens Udviklingsfond“ um 300.000 Kronen (rund 40.400 Euro) für dieses Projekt beworben. Man bekam die Hälfte davon. Folglich musste eine preisgünstigere Lösung gefunden werden, als einen Pastor in einer sozialen Anlaufstelle „freizukaufen“, wie es eigentlich vorgesehen war.

Preben Mogensen ist Mitglied des Vorstandes von DSUK, und dort weiß man um seine Fähigkeiten: Er ist nicht nur Pastor, sondern als Vorsitzender der Anlaufstelle des „Blauen Kreuzes“ in Apenrade, „Oasen“, ist er auch den Umgang mit sozial belasteten Menschen gewohnt. Als das Außenministerium von einem diakonischen und sozialen Einsatz in Thailand sprach, hat die Dänische Kirche in Südschleswig auf Ersuchen von DSUK Preben Mogensen für den Monat, den die Voruntersuchung dauern wird, freigestellt.

„Hätten wir die 300.000 Kronen bekommen, dann wäre nicht ich gefahren. Meine Aufgabe hätte ich daran gesehen zu beurteilen, was andere zusammengetragen haben“, sagt er.

 

Keine Zeit für Erholung

 

Doch jetzt ist er es, der vor allem in Bangkok unterwegs sein wird. Wenn es die Zeit erlaubt auch noch an anderen Orten, in denen Dänen leben.

„Ich werde viel zu tun bekommen. Sollte es Zeit zur Muße geben, ist irgendetwas gründlich schiefgelaufen“, sagt er.

Sobald er mit den gesammelten Informationen wieder heimgekehrt ist, wird gemeinsam mit der Beratungsfirma des „Blauen Kreuzes“, „Evidentia“, eine Beurteilung des Materials vorgenommen und ein Bericht erarbeitet werden. Damit wäre dann die fachliche Voraussetzung geschaffen. Was die Bedarfsanalyse bringt, das wird man dann sehen. Zunächst aber bricht Preben Mogensen zu einer „vorgegebenen Aufgabe mit ungewissem Ergebnis“ auf. Am 7. März wird er wieder daheim in Flensburg sein.


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